protest-symbolbild-wir-sind-mehr-gesellschaft
Protest: Wir sind mehr!

In der modernen, vernetzten Welt findet sich heute doch immer häufiger ein Mensch, der alleine ist. Und findet man sich allein wieder, so ist man doch auf der Suche nach dem Wir, denn „Wir sind mehr!“. Doch wer sich zu einem Wir zusammenfindet, wird oft erst deutlich, wenn diese Gruppen in Erscheinung treten. Dabei müssen diese Gruppierungen nicht einmal unbedingt ein politisches Interesse verfolgen oder im Verborgenen handeln. Allerdings sind es gerade solche Gruppierungen, die ein so starkes Wir-Gefühl entwickeln, sodass sich ein zu großer Machtpol bildet. Auch wenn das Gute ruft „Wir sind mehr!“, so ist dennoch Obacht geboten; denn wird das Gute zu mächtig, wird es schlecht. Wie findet man jedoch heraus, auf welche Seite man sich stellen soll? Auf welcher Seite man schon steht? Sind wir wirklich mehr?

Es zeigt sich nämlich doch, dass man sich alleine wiederfindet, und nicht weiß wohin. Gewinnen solche Probleme die Oberhand, kann es allerdings sein, dass man eine Bedrohung der eigenen Existenz verspürt; ab diesem Punkt kann der Überlebenswille sich im schlimmsten Falle nämlich zum Schlechten führen. Findet sich nämlich tatsächlich eine Gruppe zusammen, die ihre Verantwortung abgelegt hat, so genügt nur ein sprühender Funke, der das Feuer eines Rachefeldzugs entfacht. Durch einen Einzelnen können dabei unvorstellbare Menschenmengen mobilisiert werden, die sich unter einem gemeinsamen Ziel zusammenschließen. Verbirgt sich hinter dieser Mobilisierung jedoch ein unheilvolles Ziel, kann sich hier eine zerstörerische Kraft forcieren, die ruft „Wir sind mehr – Wir sind die Guten“.

Wird dieser letzte Schalter umgelegt, und die Gefahr übernimmt die Überhand, ist schon bald nicht mehr unterscheidbar, welche Seite die gute ist. Doch will man das überhaupt wissen? Oder möchte man in diesem Moment vielleicht viel eher alleine sein und keine Verantwortung übernehmen? Aber darf man dann noch legitimer Weise aufstehen und sich durch das Wir sind mehr auf das Mehrheitsrecht berufen? Um einer solchen Masse an Menschen und ihren Stimmen etwas entgegensetzen zu können, bedarf es allerdings einer gleichwertigen Opposition, die das Gesetzte hinterfragt. Nur mit Hilfe eines solchen Kontrahenten kann der Staat, so frei sein, wie es ihm guttut. Tritt das wechselseitige Spiel aus dem Rhythmus und verliert folglich sein Gleichgewicht, gilt es der Vernunft zu folgen und den rechten Pfad wiederzufinden. Ist die Welt allerdings aus den Fugen geraten, muss das Wir-sind-mehr sich erst erneut bilden, um zu alter Sitte zurückzukehren.

Erst wenn man das Leid erlebt, ist man auch in der Lage das Gute wertzuschätzen. Denn nur der Kontrast eröffnet den Horizont durch die Ambivalenz des Guten und Bösen. Entsteht also auf einem Pol ein Übergewicht, verschiebt sich auch die Mitte. Aus diesem Grund muss spätestens jeder zumindest aufgestanden sein, wenn man eine Verschiebung der Pole bemerkt. Und an diesem Punkt befindet man sich gegenwärtig: Insofern gilt es nicht nur im Namen eines Hashtags sich durch #Wirsindmehr seine Mehrheit kundzutun, sondern eben auch auf die Straße zu gehen und physische Präsenz zu zeigen. Denn einen Nachteil birgt die virtuell-vernetzte Welt in sich: Auch wenn man auf Instagram, Facebook und Twitter das Bild eines Gutmenschen malt, gilt es doch, das zu tun, das der Menschheit guttut. Der Mensch, das Du und Ich arrangiert sich auf kurz oder lang mit dem Guten und dem Schlechten. Erst aus dieser Aktivität des Einzelnen für die Gemeinschaft, erwächst eben auch die Chance zur Veränderung der Welt. Denn wir sind mehr und das Wir wird gut.

Beitragsbild: © We will not be silent by Alexa Mazzarello

 

Wenn dir dieser Text gefallen hat und ihr noch mehr lesen wollt, lasst doch einfach einen Like auf Facebook da oder folgt mir auf Twitter.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.