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Verhandlung oder Krieg: Wie weit würdest du gehen?

Jeder unbescholtene Bürger kann selbst mitten in der Nacht meist überall halbwegs sicher seinen Weg nach Hause suchen. Auch wenn sich in letzter Zeit ein gewisses Gefühl der Unsicherheit breitmacht, ist man selbst in der Regel nicht in allzu viele gewalttätige Übergriffe verwickelt. Dennoch hat sich so manch einer schon in einer Situation wiedergefunden, die schlichtweg ausweglos erschien. Ein Moment, aus dem es kein Entrinnen gab. In dem das Leben in Gefahr war. Aber irgendwie hat wohl jeder, der diesen Text liest, es bis hierhin geschafft. Allerdings sind es genau solche Situationen, die einen in die Enge treiben und zu unüberlegten Handlungen zwingen. Schaut man sich einmal verurteilte Mörder an, so geben viele Beschuldigte an, in einem unkontrollierbaren Affekt gehandelt zu haben. Natürlich kann man die Glaubwürdigkeit, dieser Aussage bezweifeln, aber sie zeigt dennoch ein entscheidendes Prinzip. Der Affekt beschreibt nämlich dabei einen Zustand, in dem der Täter – wie in einer Kurzschlussreaktion – sein Opfer unbewusst erschlägt.

Der Otto-Brooklyn-Gangster hat dabei natürlich ein höheres Potenzial in gefährliche Situationen zu gelangen, die ihn zu solch extremen Handlungen treiben. Diese Tatsache bedeutet aber nicht, dass man in der gesitteten, deutschen Bürokratie nicht eben auch ähnliche Gedanken und Situationen durchleben kann. Hieran zeigt sich nämlich, inwiefern man sowohl psychisch, als auch physisch in eine Paniksituation gedrängt werden kann. Allerdings findet der letztendliche Entscheidungsprozess dabei stets auf einer psychischen Ebene ab – wenn auch manchmal unbewusst. An diesem Entscheidungspunkt kristallisieren sich zwei Wege heraus, um das eigene Leben zu retten. Ein Teil entscheidet sich für eine Flucht aus der Situation, während ein anderer Teil sich zum Kampf bereit macht. Beide Wege sind vertretbar und bieten ihre individuellen Vorteile. Schließlich ist auch die individuelle Situation entscheidend, in der man sich befindet. Diese Auswahl an Entscheidungen findet sich dabei sowohl bei dem Täter, als auch bei dem Opfer wieder. Ohnehin findet man doch so einige Internetvideos, in denen  der Angreifer panisch die Flucht ergreift, weil der Kiosk-Besitzer selbst eine Winchester-Shotgun unter der Theke liegen hat. Allerdings gilt dabei für beide: Treffen die Informationen zu schnell und plötzlich ein, so kann man selbst im Büro durch eine Kurzschlussreaktion, seinen Arbeitskollegen umbringen.

Grenzen und Intensiv-Station

Eine solche Extremsituation kann dabei sehr intensive Erfahrungen hervorrufen, sodass man sich nachhaltig verändert fühlt. Auch wenn das Leben nicht immer auf dem Spiel steht, so entsteht doch zumindest eine kurze Sinnkrise der Existenz, wodurch das Individuum sein Leben in Gefahr sieht. Aus diesem Grund sind viele Grenzüberschreitungen prägend für den Charakter eines Menschen und zeigen sich noch viele Jahre später im Verhalten. In großen Krisensituationen fällt deshalb auch ein Großteil der medizinischen Arbeit auf die psychische Versorgung der Opfer und der Angehörigen und prägt alle Beteiligten nachhaltig. Allerdings erleichtert der richtige Umgang mit solchen Extremsituationen das zukünftige Leben in vielen Aspekten. Schließlich hat man gelernt eine große emotionale Last auszuhalten und mit ihr umzugehen. Dabei können sich nicht nur negative Erfahrungen einbrennen, ebenso sind es die positiven Erinnerungen, welche das spätere Leben bereichern. Es ist doch nichts erbaulicher, als das Wissen: Man hat bisher jede, noch so extreme Situation überlebt. Egal, ob auf der Intensiv-Station oder nachts alleine im Bett.

Niemand ist dabei vor solchen Momenten gefeit, denn die Angst und die Furcht gehören ebenso zum Leben, wie die Freude und das Glück. Aus diesem Grund gilt es, in solchen Momenten die Ruhe zu bewahren, denn so ist der Verstand die Gabe, die den Menschen bis zu diesem Punkt der Evolution gebracht hat. Allerdings hat jeder Mensch in diesen Belangen seine eigenen Grenzen, die vermutlich kaum jemand selbst kennt. Dabei sind es gerade diese Grenzen, die den Charakter eines Jeden formen. Leider wird doch zu oft vergessen, dass man selbst in der Hand hat, welchen Weg man geht. Und aus diesem Grund soll man sich selbst bewusst werden und seinen eigenen Willen fassen, denn nur wer sich nicht von der Masse unterkriegen lässt, kann den eigenen Weg auch beschreiten. Wer der Masse blindlings vertraut und ihr per se eine bessere Entscheidungsfindung zuschreibt, hat dabei verlernt, selbst zu denken und findet sich so nur in einer blinden Herde wieder.

Beitragsbild: Creative Commons by Engin_Akyurt

 

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