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Lernen und Lehren: Der Kreis des Wissens

Warum geht man heutzutage zum Lernen eigentlich noch 12 Jahre lang in die Schule? Gibt es wirklich so viel Wissen, das man lernen muss? Oder vergeudet man einfach seine Zeit? Eine Sache ist jedoch klar: Heutzutage existiert mehr verfügbares Wissen, als je zuvor. Mit einem freien Zugang zum Internet und ein wenig Neugier, lässt sich doch so manch Nützliches im Internet finden. Denn neben schönen Bildern und lustigen Videos, gibt es unzählige Informationsquellen, mit denen man zum Beispiel neue Sprachen oder die Bearbeitung der Fotos lernen kann. Auch mit Hilfe der örtlichen Bibliothek lassen sich doch zumindest die theoretischen Kenntnisse eines Handwerkes erlernen, welche dann in der Praxis beim Heimwerken perfektioniert werden können. An dieser Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis ist eben der Grund für die Schule und das ewige Lernen zu suchen. In welchem Umfang allerdings der Unterricht erfolgen muss, ist eine andere Frage.  Schließlich verbindet die Schule doch die Theorie mit der Praxis in einem ganz bestimmten Verhältnis. So ist es das vorangehende Kennenlernen der Sache selbst, in welcher man beispielsweise mit dem Aufbau des Themas bekannt gemacht wird: Hierbei wird einem die zugrunde liegende Struktur vermittelt und die Funktionen erklärt. Mit diesem bloßen theoretischen Wissen, um den grundlegenden Aufbau der Sache, lassen sich somit schon mal einige praktische Vorgänge erklären und beschreiben; das heißt, das Wissen wurde transformiert und kann nun abstrahiert im Alltag angewendet werden. Mit der Anwendung des Wissens lässt sich nun auch jene Stufe erreichen, auf der man fähig ist, tatsächlich ein Handwerk zu erlernen.

Schon der Handwerksmeister wird nicht als Meister seines Handwerks geboren. Nur aus der jahrelangen Erfahrung und unerbittlichen Einübung der richtigen Handgriffe erwächst ein echter Handwerksmeister. Dabei ist es gerade die ewige Wiederholung und das Lernen der immergleichen Arbeitsschritte – das repetitive Moment –, das die Fähigkeit in einem erwachsen lässt. Auf diesem oft langwierigen Weg der Ausbildung darf man nicht von Anbeginn ein Meisterstück erwarten. Denn trotz der größten Begabung, braucht es doch viel Blut und Schweiß, um ein Meisterstück zu formen. Das Training darf dabei nicht außer Acht gelassen werden; ohne jedes Training wird nämlich auch der beste Fußballer schnell den Anschluss zur Elite verlieren. Mit dem Verinnerlichen der Arbeitsschritte entwickelt sich nach und nach ein reflexives Bewusstsein. Hierdurch wird eben kein Gedanke mehr an den Ablauf mehr verschwendet, sondern man kann sich voll und ganz der Ausführung widmen. So ist der Fußballer, der ständig weiß, in welchem Winkel er zum Ball stehen muss, im Vorteil gegenüber seinen Mitspielern. Durch das Erinnern an erlernte Spielsituationen, weiß der Fußballer intuitiv, wie der Ball geschossen werden muss, damit er das Tor trifft. Dabei ist es nur das Ausführen der verschiedenen Schusstechniken, die es dem Spieler ermöglichen ein motorisches Gedächtnis in den Beinen aufzubauen, wodurch man seine Reaktionszeit enorm verkürzen kann. Eben an dieser Stelle zeigt sich der ungemeine Vorteil, den das Lernen gegenüber der veranlagten Begabung birgt.

In der Schule wird nun das praktische mit dem theoretischen Wissen verbunden, ebenso werden auch die theoretischen Grundlagen für das kommende Arbeitsleben geschaffen. Auch wenn im Sportunterricht der Schule kein nächster Christiano Ronaldo oder Lionel Messi geschaffen wird, ist es doch möglich die koordinativen und motorischen Grundlagen zu erlernen und damit den Körper auf anstehende körperliche Entwicklungen vorzubereiten. Dabei wird allerdings nur eine allgemeine Grundlage geschaffen, die ein möglichst breites Fundament bietet, allerdings keine Profis im eigentlichen Sinn hervorbringt. Solche außerordentlichen Talente benötigen ab einem gewissen Grad der Entwicklung ein spezielles professionelles Training, damit sie ausreichend gefordert und gefördert werden können. Die Schule vermittelt allerdings nicht nur die Grundlagen der körperlichen Ertüchtigung, sondern auch der Sprachen und der Naturwissenschaften. Somit schafft man eben ein breitgefächertes Allgemeinwissen, an dem später wichtige Anknüpfungspunkte entstehen können. Aus diesem Grund ist die Frage, ob man im späteren Leben als Frisör noch eine Differentialgleichung braucht, zweitrangig; denn die Fertigkeit, die man tatsächlich lernt, ist viel wichtiger. Durch das Verstehen und Lösen von Differentialgleichungen bekommt man nämlich ein Handwerkszeug, um mathematische Probleme auf verschiedene Arten und Weisen zu lösen. Erst wer verstanden hat, welche Vorteile das Lernen verschiedenster Disziplinen bringt, kann das Konzept der bildenden Schule auch angemessen umsetzen. Das bildende Moment schöpft nämlich einen Schüler, dem die Grundlagen der Wissenschaft, gesellschaftlichen Gepflogenheiten und einer selbständigen Entwicklung einverleibt worden ist und ihm ein eigenständiges Leben ermöglicht.

Beitragsbild: © Creative Commonlicense by sasint/pixabay.com

 

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