Welt begreifbar machen mit Objektiv
Foto-Objektiv

Von dem ersten Laut des Menschen bis zum heutigen Begriff der modernen Sprache liegt eine kaum vorstellbare Entwicklung und doch ist man sich dieser Entstehungsgeschichte der Begriffe kaum bewusst; dabei ist ihr doch ein ganzer Forschungszweig gewidmet, und zwar die Etymologie. Auch wenn man sich im Alltag nur relativ selten fragt, woher der Begriff Entarten kommt, so wird schnell klar, wenn man die Betonung etwas deutlicher setzt, wie die Bedeutungstragweite gewinnt und man spürt die Brisanz der Art, die keine mehr ist. Noch deutlicher wird es, wenn man den Begriff „irren“ in verschiedene Zusammenhänge verpackt. Dabei beschreibt das Wort „irrender“ ebenso den „Irren“, allerdings hat sich der Irrende vermutlich nur verlaufen, während der Irre vermutlich sich in seinem gesamten Leben nicht mehr zurechtfindet. Durch dieses auf-den-Grund-Gehen vernimmt man schnell, den gesamten Horizont der einzelnen Begriffe, wenn man ihnen ihre gesamte Bedeutungstiefe zugesteht. Neben all dieser Begriffsknobelei sollte man jedoch niemals das Kind vergessen, welches von den Dingen doch nur einen äußerst wagen Begriff hat und so das Wesentliche manchmal missversteht. Oder doch der kleine Säugling, der nur mit großen Augen daliegt, alles hört, aber nichts sagt; vielleicht versteht er ja sogar etwas, aber mehr als ein paar Laute bringt der kleine Säugling nicht hervor. Mit diesen Voraussetzungen startet jeder Mensch in das Leben und an diesem Punkt (wenn nicht sogar früher) beginnt die Entwicklung der Sprache. Es ist dabei nicht wirklich von Bedeutung mit welcher Muttersprache man genau aufwächst, viel mehr macht es einen Unterschied, ob wir ein deutsches und ein türkisches Wort oder sonst ein Wort für die карто́шка kennen oder nicht. Denn je mehr Sprachen man spricht, umso leichter findet man sich in der heutigen internationalen Welt zurecht.

Durch die Begriffe macht sich ein Jeder die Welt begreifbar; und durch den Begriff kann man sich erst über die Dinge unterhalten. Wie es scheint, können also zwei vollkommen verschiedene Sprachen das vollkommen gleiche Ding meinen und einen doch vollkommen verschiedenen Ausdruck benutzen. Es lässt sich also erahnen, dass das Wort und der Begriff, die ein Ding bezeichnen, nicht das Selbe sind. Wird einem diese Erkenntnis klar, so lässt sich nun auch verstehen, warum nicht das Wort die Welt begreifbar macht, sondern der Begriff. Dabei ist doch gerade das interessant, was hinter dem Begriff steht. Schließlich sind die Buchstaben des D-R-A-C-H-E-N nicht so interessant, wie das Feuer, das er speit oder die Kämpfe, die er bestritten hat.  All diese Mythen, Bilder und Vorstellungen schweben deshalb immer mit, wenn die Geschichten von Siegfried, dem Drachentöter erzählt werden. So bildet sich ein Begriffsnetz, aus all den Begriffen, die wir tagtäglich lernen und die seit jüngster Kindheit mitgegeben werden. Diese werden dabei ständig verändert und aktualisiert, sodass einem klar wird, dass das Wort ‚Weib‘ im Mittelalter doch einen anderen Begriff meint, als das Wort ‚Frau‘, das heute benutzt wird.

So viele Wörter es doch gibt, so wenig Begriffe meinen sie eigentlich. Erzählt man einem Kind eine Geschichte von einem Helden, der die Länder durchreist und für Gerechtigkeit sorgt; dann ist dabei nicht wichtig, ob sich das Kind einen Helden im grünen oder roten Kostüm vorstellt, ob der Hut rund oder spitz ist. Die Idee, die die Geschichte entwickelt und die Taten, die erzählt werden, sind es doch, die eine solche Geschichte ausmachen. All jene Worte beschreiben den Helden doch nur näher und verschärfen die Vorstellung im Kopf des Lesers und durch die Zeit hinweg stellt man fest, wie fest sich solche Geschichten und Märchen halten und selbst neue Erzählungen und Bücher im Grunde genommen, doch immer wieder ein und dasselbe erzählen. Und so ist es der Begriff von Hut, vom Schwert und von einer Burg, den man hat, der diese Bilder im Kopf erscheinen lässt. Aus diesem Grund sollte man wohl mit offenen Augen und Ohren durch das Leben laufen und die Begriffe der anderen kennenlernen und etwas von ihrem Leben verstehen. Denn durch das Wort teilt man sich mit und offenbart seine eigene Geschichte.

Beitragsbild: © Creative Commonlicense by Free-Photos/pixabay.com

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